Chemotherapie assoziierte Diarrhoe
Gastrointestinale Komplikationen sind häufig bei Patienten mit hämatologischen und onkologischen Erkrankungen. Im Vordergrund der infektiösen Komplikationen stehen Diarrhoe und Kolitis. Das Spektrum möglicher Ursachen ist breit. Differenzialdiagnostisch sind vor allem Komplikationen der Grunderkrankung von Nebenwirkungen der antineoplastischen Therapie abzugrenzen. (Onkopedia Abruf am 05.08.26)
Allgemein wird empfohlen, dass Patienten einen angemessenen oralen oder intravenösen Ausgleich an Flüssigkeiten und Elektrolyten erhalten. Weiterhin soll auf Zeichen/Symptome von Mangelernährung oder katabolem Ernährungsstatus geachtet werden. Bei Bedarf sollen Kohlenhydrate, Lipide, Aminosäuren, Protein und/oder Vitamine enteral oder parenteral ersetzt werden. (Onkopedia Abruf am 05.08.26)
Die hier vorgestellten Maßnahmen basieren auf den Erfahrungen von 11 KIM Mitgliedseinrichtungen. Sie können in leichten Fällen zur Linderung der Diarrhoe führen. In vielen Fällen konnte auf die Standart-Therapie (vergl. Onkopedia Abruf am 05.08.26) nicht verzichtet werden.
Moro-Suppe
Charakterisierung des Heilmittels
Karotten; Daucus carota ssp. Sativus
Die Karottensuppe nach Moro wird insbesondere bei hartnäckiger Diarrhoe eingesetzt.
Das in Karotten enthaltene Oligogalakturonid hemmt schon in einer Konzentration von 0,005% die Anheftung schädlicher Keime an die Darmmukosa.
Zur Geschichte des Heilmittels
Dass eine lange gekochte Karottensuppe hervorragend gegen kindliche Durchfälle wirkt, hatte der Direktor der Heidelberger Kinderklinik Dr. E. Moro https://de.wikipedia.org/wiki/Morosche_Karottensuppe schon 1908 entdeckt und damit gute Erfolge bei der Bekämpfung von Diarrhoe erzielt. Es gelang ihm, die Sterbe- und Komplikationsrate von Kindern mit Durchfallerkrankungen drastisch zu senken.
Wirkung bezogen auf Indikation
Beim Kochen der Karotten entstehen kleinste Zuckermoleküle, sogenannte Oligosaccharide, die den Darmrezeptoren zum Verwechseln ähneln. Deshalb docken die Erreger statt an die Darmwand an die Zuckermoleküle an und werden somit ausgeschieden.
Anwendungsgebiete:
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Bakt. Infektionen
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Microbiom-Störung
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Chemotherapie-assoziierte Diarrhoe
Benötigtes Material
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500 g Karotten
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1 l Wasser
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3 gr. Kochsalz
Frische Karotten bevorzugen
Anleitung
Entweder tiefgekühlte Karottenstücke als Basis nutzen oder frische Karotten waschen, sehr sparsam schälen, kleinschneiden und im Wasser mit Jodsalz mind. 1 -1,5 Stunden garen.
Anschließend fein pürieren und 5- 6 Portionen über den Tag verteilt essen.
Zeitaufwand
Herstellung ca. 20 Minuten. Kochen ca. 1,5 Stunden.
Besondere Hinweise für Anwender*innen und Patient*innen
Über den Tag verteilt in 5-6 Portionen essen.
Hinweise zur externen Evidenz und weiterführende Literatur
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Lehrbuch Heilpflanzenkunde Ursel Bühring 5. Auflage Seite 210
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Ernährung bei Krebserkrankungen / www.krebsverband-bw.de Seite 35
Kohle (Carbo medicinalis) / Birkenkohle comp.
Beschreibung des Heilmittels
Carbo medicinalis ist ein aus Holzkohle gewonnener Arzneistoff (z.B. Carbo betulae aus Birkenholzkohle). Dieser reine amorphe Kohlenstoff besitzt eine große Oberflächenstruktur mit hohem Bindungsvermögen und kann daher als Adsorbens eingesetzt werden.
Wirkung bezogen auf Indikation
Durch die orale Einnahme von Kohle werden Giftstoffe und Keime im Gastrointestinaltrakt gebunden, neutralisiert und mit dem Stuhlgang ausgeschieden. Bei Diarrhoe kann dies zu einer Normalisierung der Stuhlkonsistenz und Stuhlfrequenz beitragen. Der beschriebene Wirkmechanismus ist insbesondere bei Nahrungsmittelintoxikation als Ursache der Diarrhoe effektiv. Aber auch bei Diarrhoe im Rahmen von onkologischer Therapie, insbesondere bei Palliativpatienten kann Pflanzenkohle Linderung bringen. (1)
Anwendungsgebiete laut Beipackzettel (Kohle-Compretten):
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Akute Diarrhoe
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Zur Verhinderung der Resorption bei oralen Vergiftungen und zur Beschleunigung der Elimination bei Vergiftungen mit Stoffen, die einem enterohepatischen Kreislauf unterliegen
Kontraindikationen
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Gleichzeitige Einnahme mit oraler Medikation z.B. zeitgleich mit onkologischer oraler Medikation
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Paradoxe Diarrhoe (gastrointestinale Stenose)
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Vor geplanter Endoskopie
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Überempfindlichkeit gegen einen Bestandteil
Präparate
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Birkenkohle comp. (3-5 x 1 Kps. pro Tag) (2)
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Kohle-Compretten (3-5 x 2-4 Tab. pro Tag) (3)
Besondere Hinweise für Anwender*innen und Patient*innen
Kohle verfärbt den Stuhlgang dunkel. Dies kann mit Teerstuhl bei GI-Blutung verwechselt werden oder eine Blutbeimengung verschleiern.
Kohle bindet Giftstoffe, aber auch Medikamente und darf daher nicht zur gleichen Zeit mit oralen Medikamenten eingenommen werden. Wir empfehlen daher einen Abstand von mindestens 2h.
In Birkenkohle comp. ist zusätzlich Kamille und Antimonit D2 enthalten und kann durch die spezifische adstringierende und entzündungshemmende Wirkung die Diarrhoe zusätzlich lindern und den Darm beruhigen.
Vorsicht bei Schluckbeschwerden – Kohle lässt sich eingeschränkt in Wasser lösen.
Hinweise zur externen Evidenz und weiterführende Literatur
(1) Review Juli 2018 by Helen Senderovich , Megan J Vierhout; Is there a role of charcoal in palliative diarrhea management? https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29231746/
Apfelpektin - Geriebener Apfel
Beschreibung des Heilmittels
Der Kulturapfel gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Die Anzahl der Apfelzüchtungen weltweit ist unübersehbar, in Deutschland existieren ~ 1.500 Sorten, von denen 30-40 im Handel erhältlich sind. Durch die unterschiedlichen Reifezeiten (Frühäpfel- Lageräpfel) ist eine kontinuierliche Versorgung im Jahresverlauf gesichert. (1)
Wirkung bezogen auf Indikation
Das Fruchtfleisch der Äpfel enthält 10-15% Pektine. Diese wirken anti-diarrhöisch. Postuliert wird eine Absorption von bakteriellen Toxinen sowie die Bildung eines diffusionshemmenden Schutzfilmes. Da die Pektine im Kolon zu 70-85% mikrobiell zu kurzkettigen Fettsäuren abgebaut werden, kommt es zu einer pH-Verschiebung (6,1 – 6,5) in einen für die physiologische Darmflora günstigen Bereich. Für darmfremde Mikroorganismen hingegen entsteht ein eher ungünstiges Milieu. (1)
Pektin wird eine präbiotische Wirkung zugeschrieben. In einer prospektiven Studie zeigte sich, dass eine Pektin Gabe von 24g/d bei Reizdarmsyndrom zu einer signifikanten Verbesserung der Darmflora nach 6 Wochen führte. (2)
Äpfel sollen mit der Schale gerieben werden, denn Pektine sind vor allem in den Zellwänden der Apfelschale lokalisiert. (3)
Wann darf das Medikament nicht eingesetzt werden?
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Bekannte Überempfindlichkeit gegen bestimmte Apfelsorten.
Präparate und Darreichungsformen
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Darreichungsformen: Frucht => Mus
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Apfelpektin als Fertigarzneimittel (z.B. Aplona®) 5-8 Portionsbeutel á 5 g. In schweren Fällen kann Aplona 1-3 Tage lang als ausschließliche Nahrung gegeben werden. (4)
Zubereitung
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Bioapfel waschen (möglichst alte Sorte verwenden, z.B. Boskop, Grafensteiner, Cox Orange, Prinz Albrecht)
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Ungeschält auf einer Glasreibe zu einem feinen Apfelbrei zerreiben (Porzellan- und Metallreiben sind ebenso möglich)
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Geriebenen Apfel ~15 Minuten stehen lassen, um das Pektin aufquellen zu lassen. Eine Braunverfärbung des Muses ist erwünscht
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Über den Tag verteilt in kleinen Portionen zu sich nehmen (bis zu 3 Äpfel am Tag)
Besondere Hinweise für Anwender*innen und Patient*innen
CAVE: auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten
Hinweise zur externen Evidenz und weiterführende Literatur
(1) Bäumler, Siegfried (2021). Heilpflanzenportraits Heute, Arzneipflanzenportraits, 3. Auflage, München, Urban&Fischer
(2) Xu L, Yu W, Jiang J, Feng X, Li N. (2015) [Efficacy of pectin in the treatment of diarrhea predominant irritable bowel syndrome]. Zhonghua Wei Chang Wai Ke Za Zhi. 2015 Mar;18(3):267-71. Chinese. PMID: 25809332
(3) Weber- Fina, Ulrike (2024) www.ptaheute.de/aktuelles/2022/01/11/rund-und-gesund-was-aepfel-enthalten download 01.09.2025
Getrocknete Heidelbeeren (derzeit noch nicht verfügbar)
Beschreibung der Anwendung
Wirkung bezogen auf Indikation
Wann darf die Anwendung nicht durchgeführt werden?
Durchführung der Anwendung
Besondere Hinweise für Anwender*innen und Patienten*innen
Hinweise zur externen Evidenz und weiterführende Literatur
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Jogurt
Beschreibung der Anwendung
Antibiotika und andere Medikamente sowie Infekte und Ernährungsgewohnheiten können die Darmflora beeinflussen. Das Darm-Microbioms steht mit dem Immunsystem und entzündlichen Prozessen in Verbindung. Probiotische Bakterien des Joghurts können die Darmflora bei Diarrhoe wieder ins Gleichgewicht bringen. Probiotika sind lebende Mikroorganismen (Bifidobakterien, Lactobacillus casei, Hefepilze u.a.), die in Sauermilchprodukten vorkommen. Sie unterstützen die Regulation der Darmfunktion. Von allen fermentierten Lebensmitteln besitzt Joghurt die höchste Bakteriendichte.
Wirkung bezogen auf Indikation
Eine intakte Darmflora stärkt die Barrierefunktion des Darms und verhindert so eine Ausbreitung von Krankheitserregern. Joghurt hilft die Dauer des Durchfalls zu verkürzen, insbesondere bei antibiotika-assoziierter Diarrhoe.
Linderung z.B. auch bei Reizdarmsyndrom, Blähungen und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.
Wann darf die Anwendung nicht durchgeführt werden?
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Allergien gegen Milchbestandteile.
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Erkrankungen der Atemwege mit hoher Schleimbelastung.
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Laktoseintoleranz (hier kann laktose-freier Joghurt zum Einsatz kommen)
Art der Anwendung
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Natur-Joghurt (am besten Bio-Qualität) über mehrere Tage 1 bis 2 x täglich (keine feste Regel), zusätzlich viel trinken
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Es sind zahlreiche probiotische Joghurts auf dem Markt, z.B. Actimel® oder Yakult® (über mehrere Tage, 1 Flasche pro Tag) Es gibt keine Evidenz, dass diese Produkte einen höheren Effekt als Natur-Joghurt haben.
Besondere Hinweise für Anwender*innen und Patient*innen
Die Aufnahme bestimmter Medikamente kann bei gleichzeitiger Joghurt-Einnahme gehemmt sein (u.a. Antibiotika und Bisphosphonate)
Bei starkem anhaltendem Durchfall muss ein Arzt konsultiert werden. Mit einer nachhaltigen Veränderung des Microbioms ist erst nach einer Einnahme von 2 bis 4 Wochen zu rechnen. Um eine optimale Wirkung zu erzielen, muss insgesamt eine darmgesunde Ernährung befolgt werden.
Hinweise auf Studien
Einzelne Studien belegen die Wirksamkeit von Probiotika, z.B. in der Prävention von Antibiotika-assoziierten Diarrhoen sowie in der Therapie der Obstipation und des Reizdarmsyndroms.
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