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Nausea

Die chemotherapieinduzierte Nausea (CIN), also die durch eine Chemotherapie ausgelöste Übelkeit, zählt zu den häufigsten und belastendsten Nebenwirkungen onkologischer Therapien. Sie tritt häufig in Kombination mit Erbrechen auf und kann sowohl unmittelbar nach der Behandlung (akut) als auch verzögert über mehrere Tage hinweg auftreten. Die Bedeutung der CIN liegt in ihrer starken Beeinträchtigung der Lebensqualität, der Ernährung und des allgemeinen Wohlbefindens der Patient*innen. Unkontrollierte Übelkeit kann zu Therapieverzögerungen, Dosisreduktionen und verminderter Therapieadhärenz führen. 

Die hier aufgeführten Behandlungsempfehlungen eigenen sich zur Prophylaxe und Therapie der CIN. Sie helfen in vielen Fällen den Einsatz synthetischer Antiemetika zu vermeiden. 

Akupressur

Beschreibung der Anwendung

Im Zusammenhang mit der Chemotherapie induzierten Nausea wird vor allem ein leicht aufzufindender Punkt am Unterarm gedrückt. Die Maßnahme ist einfach zu erlernen und auch in der Selbstbehandlung durchführbar. 

Akupressur leitet sich von dem Lateinischen „acus“ Nadel und „premere“ drücken ab und bezeichnet ein präventives und therapeutisches Heilverfahren, bei welchem stumpfer Druck auf definierte Körperstellen durch Daumen, Zeigefinger, Handballen, Ellbogen, Knie, Fuß oder technische Hilfsmittel, wie zum Beispiel Akupressurbänder, ausgeübt wird. Diese Heilmethode findet sich in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) und in der japanischen Medizin wieder und ist für eine Selbstbehandlung geeignet. Die Akupressur geht von Meridianen und Tsubos aus, sogenannte Energiebahnen, die durch den Körper laufen. Durch sie fließt Lebensenergie und reguliert als komplexes System den Gesamtorganismus. Krankheiten und Funktionsstörungen von Körper und Geist sind nach dieser Ansicht auf ein Ungleichgewicht der Energieströme zurückzuführen, welche durch Akupressur wieder ins Gleichgewicht gebracht werden sollen. Akupressur aktiviert die Selbstheilungskräfte des Körpers und kann Störungen des Organismus positiv beeinflusst.

Wann darf die Anwendung nicht durchgeführt werden?

Bei schweren Herz-Kreislaufbeschwerden, Erschöpfungszuständen, Depression, bei lokalen Hautproblemen, Schmerzen oder Gefühllosigkeit  im Bereich der Punkte sowie bei Thrombozytopenie unter 100.000µ/l. (Blutungsgefahr durch punktuellen Druck) soll Akupressur nicht angewendet werden. 

Tritt ein Unwohlsein während der Behandlung auf, soll diese pausiert werden. 

Kurzanleitung

Der Perikard 6, der „Meisterpunkt gegen Übelkeit“, wird am häufigsten angewendet.  

Geeignete Tageszeit

Bei Bedarf bzw. bei aufkommender Übelkeit. ​. Präventiv 2-3 mal täglich als regelmäßige Anwendung.

Benötigtes Material

Diese Akupressur kann in der Regel mit dem Zeigefinger durchgeführt werden. Die Punkte auf den Handgelenken können markiert werden (z.B. durch ein kleines Pflaster) was das Auffinden der Punkte erleichtert.​

Es kann auch ein Akupressurband zur Hilfe genommen werden. Akupressurbänder können wiederholt und so lange wie erforderlich getragen werden. Sie sind zudem waschbar und wiederverwendbar.  

Vorbereitung

  • Ruhige Atmosphäre um sich auf die Akupressur einlassen zu können.

  • Liegende oder sitzende Haltung. Eine liegende Position verhilft eher zu einer entspannten Atmosphäre.

  • Kurze Fingernägel

Durchführung der Anwendung

Perikard 6; Neiguan oder „Inneres Passtor“

  • Der „Meisterpunkt gegen Übelkeit“ befindet sich drei Finger breit vom Handgelenk entfernt zwischen den Sehnen.

  • Im Wechsel 30 Sekunden lang drücken, 30 Sekunden pausieren = so lange wie nötig. Die Druckmassage sollte mit der Fingerkuppe des Daumens oder Zeigefingers, nicht mit der Fingerbeere, mit sanftem, gleichmäßigem Druck durchgeführt werden.

  • Es gibt ein spezielles Armband mit einem Kunststoffknopf, das beidseitig getragen wird und diesen Punkt unter Dauerdruck setzen kann. 

Schulungsaufwand für Anwender*innen

  • Die/der Patient*in sollte eine ausführliche mündliche und praktische Anleitung zur korrekten Anwendung der Akupressur in der Selbstdurchführung und / oder der Bänder erhalten.

  • Pflegefachpersonal sollte eine theoretische und praktische Einführung erhalten sowie über hinreichende Hintergrundinformation verfügen, um die Anwendung begründen zu können.

Fragen zur Evaluation

  • Konnte die Übelkeit gelindert werden?

    • Messung mit NRS von 1 bis 10

  • Treten Probleme bei der Anwendung auf?

Besondere Hinweise für Anwender*innen und Patient*innen

​Es handelt sich primär um eine präventive Methode, die nur mit einer korrekten Durchführung wirksam ist. Sie kann auch bei beginnender Übelkeit eingesetzt werden. Die Durchführung muss von geschultem medizinischen Fachpersonal angeleitet werden. Eine entsprechende Anleitung sollte Patient*innen ausgehändigt werden.

Akupressurbänder sollen für den stationären Aufenthalt besorgt werden und ins Patienteneigentum übergehen.

Hinweise zur externen Evidenz und weiterführende Literatur

  • Miao, J., Liu, X., Wu, C., Kong, H. et al. (2017) Effects of acupressure on chemotherapy-induced nausea and vomiting-a systematic review with meta-analyses and trial sequential analysis of randomized controlled trials. In: International Journal of Nursing Studies, 70, 27-37. DOI: 10.1016/j.ijnurstu.2017.02.014

  • Genc, A., Can, G., Aydiner, A. (2013) The efficiency of the acupressure in prevention of the chemotherapy-induced nausea and vomiting. In: Support Care Cancer, 21(1), 253-261. DOI: 10.1007/s00520-012-1519-3

  • Hsiung, W. T., Chang, Y. C., Yeh, M. L. et al. (2015) Acupressure improves the postoperative comfort of gastric cancer patients: A randomised controlled trial. In: Complementary Therapies in Medicine, 23(3), 339-346. DOI: 10.1016/j.ctim.2015.03.010

  • Kong, C., Han, M., Zhang, C., Zhao, Z., et al. (2018) Auricular point acupressure improved nausea, vomiting, diarrhea and nutritional status in gastric cancer patients receiving oral s-1 therapy. In: International journal of clinical and experimental medicine, 11(9), 9200

  • Roscoe, J. A., Bushunow, P., Jean-Pierre, P., Heckler, C. E et al. (2009). Acupressure bands are effective in reducing radiation therapy-related nausea. In: Journal of Pain and Symptome Management, 38(3), 381-389. https://doi.org/10.1016/j.jpainsymman.2008.09.006

  • AWMF, DKG, DKH (2021) S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen, Komplementärmedizin bei onkologischen PatientInnen (leitlinienprogramm-onkologie.de)

  • Krebsverband Baden-Württemberg e.V.; Winkler, M. (2020) Naturheilkunde und Integrative Verfahren in der Onkologie zur Linderung von Nebenwirkungen sowie Verbesserung der Lebensqualität und des Wohlbefindens

  • Krebsverband Baden-Württemberg e.V.; Huber, R. (2021) Patientenratgeber. Komplementäre Verfahren

Aroma-Therapie

Beschreibung der Anwendung

Mit Hilfe eines Aroma-Riechsticks werden Ätherische Öle eingeatmet. Dies kann mit geringem Aufwand zu einer Linderung der Übelkeit beitragen. 

 

Die Aromatherapie ist ein Teilgebiet der Phytotherapie. Durch den Einsatz von Düften wird das Riechzentrum und das limbische System (befindet sich zwischen Zwischenhirn und den beiden Großhirnhemisphären) im Gehirn stimuliert. 0,2 Sekunden nach Auftreffen auf die Rezeptoren sind elektrochemische Reaktionen nachzuweisen, die bestimmte physiologische Reaktionen in Gang setzen und die Linderung von Beschwerden bewirken können. Die Duftmoleküle gelangen über die Nase auf die Riechschleimhaut. Diese befindet sich rechts und links der Nasenscheidewand in Höhe der Augen und trägt 10 Millionen Riechsinneszellen. Die Riechschleimhaut gehört zum Zentralnervensystem, dessen Zellen hier offen mit der Umwelt kommunizieren. Das limbische System steuert unsere Gefühle und Seelenleben. Duftreize können dort die Ausschüttung von Neurotransmittern (Überträgerstoffe an Nervenendigungen) bewirken:

  • Enzephaline: sehr schmerzstillend, Wohlbehagen, heiter bis euphorische Zustände,

  • Endorphine: schmerzstillend, Wohlgefühl,

  • Serotonin: beruhigt und entspannt, 

  • Noradrenalin: anregend, macht wach.

Wann darf die Anwendung nicht durchgeführt werden?

  • Auf Allergien gegen ätherische Öle achten sowie auf Asthma bronchiale. Vor der Anwendung kann ein Hauttest auf der Vorderseite des Unterarms durchgeführt werden. 

  • Bei einem zu langen Riechen, über eine Minute, kann es zu Kopfschmerzen kommen. 

Kurzanleitung

Aroma-Therapie gegen Übelkeit kann mit unterschiedlichen (Bio-)Ölen je nach persönlicher Vorliebe durchgeführt werden: Zitrone, Ingwer, Minze, Pfefferminze oder Kardamom. Zur einfachen Anwendung ist die Verwendung eines Inhalator-Röhrchen bzw. Aroma-Riech-Sticks oder eines mit Salz gefüllten Riechfläschchens sinnvoll.

Geeignete Tageszeit

Bei Bedarf bzw. bei aufkommender Übelkeit als präventive und therapeutische Maßnahme.​​

Benötigtes Material

  • Ätherische Öle in Bio-Qualität.

  • Aroma-Riech-Stick mit Wattestäbchen. Der Aroma-Stick besteht aus 4 Teilen: einem Behälter, dem Riechstift, einer Deckklappe und einem Baumwoll-Watte-Duft-Tampon (ca. vier Zentimeter lang und 0,6 Zentimeter im Durchmesser)

Vorbereitung Aroma-Riech-Stick

  • Behälter des Aroma-Riech-Sticks öffnen.

  • Watte-Duft-Tampon entnehmen.

  • Mit dem entsprechenden ätherischen Öl nach persönlicher Vorliebe vorsichtig beträufeln.

  • Nie verschiedene Öle für einen Stick verwenden. 
  • ​Zitrone: 3 Tropfen

  • Ingwer: 1 Tropfen

  • Minze: 2 Tropfen

  • Pfefferminze: 2 Tropfen

  • Kardamom: 1 Tropfen

  • Das Wattestäbchen mit dem entsprechenden ätherischen Öl wird nun in den Behälter zurückgelegt.

Durchführung der Anwendung

  • Den Aroma-Riech-Stick aus dem Behälter nehmen.

  • Ca. 30 Sekunden riechen

Nachbereitung

  • Aroma-Riech-Stick in den den Behälter geben und Deckel wieder verschließen​.

Zeitaufwand

  • Vorbereitung des Aromariechsticks beträgt max. 5 Minuten

  • Durchführung: max. 30 Sekunden

Schulungsaufwand für Anwender*innen

  • Die/der Patient*in sollte eine ausführliche mündliche und praktische Anleitung zur korrekten Anwendung des Aroma-Riechs-Sticks erhalten. 

  • Die/der Patient*in soll erfahren, welche ätherische Öle in welcher Dosierung angewendet werden können.

  • Das Pflegepersonal sollte eine theoretische und praktische Einführung erhalten sowie über hinreichende Hintergrundinformation verfügen, um die Anwendung begründen zu können.

Fragen zur Evaluation

  • Konnte die Übelkeit gelindert werden?

    • Messung mit NRS von 1 bis 10

  • Treten Probleme bei der Anwendung auf?

Besondere Hinweise für Anwender*innen und Patient*innen

Der Einsatz von ätherischen Ölen kann bei richtiger Auswahl, Dosierung und Anwendungsform eine nachhaltige Linderung der Übelkeit bewirken. Die Anwendung sollte am besten mit Aroma-Riech-Sticks oder Aromatherapie-Röhrchen nasal für maximal eine Minute durchgeführt werden. Der Duft soll sich nicht im Raum verteilen, sondern individuell und kurzzeitig eingesetzt werden. Einige ätherische Öle sind empfindlich gegenüber Licht, Hitze, Sauerstoff und Feuchtigkeit. Sie sollten in einer dunklen Glasflasche, schattig und kühl gelagert werden. Die Haltbarkeit beträgt nach der ersten Öffnung der Flasche in der Regel sechs Monate und kann durch richte Lagerung und Verminderung von Kontakt mit Sauerstoff auf ein Jahr verlängert werden. Der direkte Kontakt der Spitze des Aroma-Riech-Sticks mit Nasen oder Händen sollte vermieden werden, zudem das direkte Riechen aus der Flasche. Es sollen ausschließlich Öle in Bioqualität verwendet werden. Die Dosierungsempfehlungen müssen berücksichtigt werden. Die Keimbelastung von ätherischen Ölen und Mischungen lässt sich durch richtige Abfüllung, Lagerung und Verwendung verhindern. ​

Die Aromatherapie bei Nausea sollte schon beim Auftreten einer leichten Übelkeit beginnen. 

Hinweise zur externen Evidenz und weiterführende Literatur

  • Krebsverband Baden-Württemberg e.V.; Winkler, M. (2020) Naturheilkunde und Integrative Verfahren in der Onkologie zur Linderung von Nebenwirkungen sowie Verbesserung der Lebensqualität und des Wohlbefindens

  • Cirlea, M. (2016) Die Wirksamkeit ätherischer Öle bei postoperativer oder durch Chemotherapie bedingte Übelkeit. Studienergebnisse über die Anwendung ätherischer Öle. München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334486

  • Steflitsch, W. (2017) Aromatherapie: wann können ätherische Öle medizinisch eingesetzt werden? In: Deutsche Medizinische Wochenschrift 2017; 142 (25):1936 – 1942. DOI: 10.1055/s-0043-116476

  • AWMF, DKG, DKH (2021) S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen Patient*innen, Komplementärmedizin bei onkologischen Patient*nnen (leitlinienprogramm-onkologie.de)

Nux vomica comp.®

Beschreibung der Anwendung

Bei den Nux vomica comp® Tropfen der Firma Weleda handelt es sich um ein anthroposophisches Komplexmittel, das gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis bei gastrointestinalen Beschwerden wie Gastritis, Reizmagen, Übelkeit und Erbrechen angewandt wird.

Zur Wirkung kommen Bestandteile des gelben Enzians, der Muskat- u. Brechnuss.

Während der Chemotherapie kann es trotz mittlerweile sehr guter Begleitmedikation immer wieder zu anhaltender Übelkeit mit Erbrechen kommen, die für die Patient*innen sehr unangenehm ist und die Lebensqualität beeinträchtigt.

Wann darf die Anwendung nicht durchgeführt werden?

  • Unverträglichkeiten/Allergien gegen die Inhaltsstoffe.

  • Trockene Alkoholiker*innen sollten auf nicht alkoholische Alternativen wie z. B. Gentiana Magenlobuli velati (WALA®) ausweichen.

  • Bei Kindern unter 12 Jahren liegen keine ausreichenden Erfahrungsberichte vor.

Wirkung

Die Tropfen können Völlegefühl, Übelkeit und Erbrechen reduzieren.

Präparate

  • Nux vomica comp®/ PZN: 1613615          

  • Je nach individueller Präferenz: 3 - 5 x 15 bis 20 Tropfen pur oder in ca. 50 ml Wasser               

  • www.weleda.de Zugelassenes Arzneimittel

Besondere Hinweise für Anwender*innen und Patient*innen

​Die Tropfen sollten am Tag der Chemotherapie und bis zu 5 Tage danach täglich angewandt werden.​ 

Das Medikament kann über eine Apotheke bezogen werden.

Hinweise zur externen Evidenz und weiterführende Literatur

  • Keine ausreichende Studienlage in den gängigen medizinischen Datenbanken vorhanden

  • Erfahrungsberichte anthroposophischer Ärzte: Vademecum Anthroposophische Arzneimittel 

  • Weleda Arzneimittelverzeichnis für Fachkreise 2019

Ingwer

Beschreibung der Anwendung

Die orale Einnahme von Ingwer als Hartkapsel, Tee oder Saft kann die Chemotherapie induzierte Nausea lindern. Dabei sind Wechselwirkungen mit verschiedenen Medikamentengruppen zu beachten.

 

Ingwer (Zingiber officinale) ist eine tropische Pflanze, deren unterirdischer Hauptspross, das Ingwer-Rhizom, als Küchengewürz oder Arzneidroge Verwendung findet. 

Die arzneilich wirksamen Inhaltsstoffe befinden sich im Wurzelstock, welcher zu 1,5−3% aus ätherischem Öl besteht. In diesem sind unter anderem die Substanzen Zingiberen, Curcumen und Beta-Eudesmol enthalten. Daneben stecken in der Ingwerwurzel Scharfstoffe, die der Knolle ihren typischen Geschmack verleihen: v.a. die sogenannten Gingerole und Shogaole. Des Weiteren enthält Ingwer Borneol und Cineol, zudem Vitamin C, Magnesium, Eisen, Calcium, Kalium, Natrium und Phosphor. 

Ingwer ist in Pulverform als Nahrungsergänzungsmittel und Arzneimittel erhältlich. Das Arzneimittel unterliegt strengen Auflagen einer standardisierten Produktion. 

Wann darf die Anwendung nicht durchgeführt werden?

Die Wirkung von Aprepitant (Emend®), Tacrolimus (Prograf®, Protopic®), Ciclosporin (Cicloral®, Immunosporin®), Sulfaguanidin, Antidiabetika, Antikoagulantien kann durch Ingwer beeinträchtigt werden. 

Die sedierende Wirkung zentral wirksamer Medikamente oder die blutdrucksenkende Wirkung von Antihypertensiva kann durch Einnahme von Ingwer verstärkt werden. 

Nicht anwenden bei:

  • Bei Sodbrennen oder brennenden Magenschmerzen. 

  • Bekannte Gallensteine. 

  • Empfindlichkeit (Allergie) gegen den Wirkstoff Ingwerwurzelstockpulver und/oder GelatineHochdisperses Siliciumdioxid, Indigocarmin E132, Titandioxid E171, Natriumdodecylsulfat.

  • Schwangerschaft und Stillzeit

Kurzanleitung

Die enthaltenen ätherischen Öle und Scharfstoffe lindern über 5-HT3 Rezeptoren im Verdauungstrakt und im Gehirn die Übelkeit.

Präparate

  • Ingwer-Hartkapseln (Zintona®) 10/ 20 / 50 (1 Hartkapsel enthält: 250 mg Ingwerwurzelstock-Pulver)

Dosierung: 500 mg bis 1000 mg/Tag, 2 Kapseln alle 4 Stunden, maximal 8 Kapseln pro Tag.

  • Ingwertee: 2 gehäufte Teelöffel geriebener Ingwerwurzelstock (möglichst Bioqualität) (Zingiberis rhizoma) mit 250 ml heißem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen. Über den Tag verteilt trinken, bis zu 1 Liter/Tag

  • Ingwerwasser: Ingwerwurzel (möglichst Bioqualität) 5 bis 7 dünne Scheiben in 1 l kochendes Wasser, ca. 5 Minuten ziehen lassen, Ingwerscheiben entnehmen. Über den Tag verteilt trinken.

Zulassungsstatus

​Ingwer ist in zahlreichen europäischen Ländern als Medikament mit den Bezeichnungen „medizinisch allgemein anerkannt“ („well-established use“) gegen Reiseübelkeit und „traditional use“ gegen leichte gastrointestinale Beschwerden zugelassen​.

Besondere Hinweise für Patient:*nnen und Anwender*innen

  • Vor Operationen sollte Ingwer abgesetzt werden, um starke Blutungen zu vermeiden.

  • Hitzewallungen können durch Ingwer verstärkt werden. 

  • Ingwerpurlver in der Originalpackung aufbewahren, um das Arzneimittel vor Licht und Feuchtigkeit zu schützen. 

  • Nicht über 25°C aufbewahren.

Hinweise zur externen Evidenz und weiterführende Literatur

  • Fitriyanti D, Sulung R. Effectiveness of ginger to overcome nausea and vomiting caused by chemotherapy in breast cancer patients. Canadian Oncology Nursing Journal. 2020;30(1 PG - 3-5):3-5

  • Bhargava R, Chasen M, Elten M, MacDonald N. The effect of ginger (Zingiber officinale Roscoe) in patients with advanced cancer. Support Care Cancer. 2020; 28(7):3279-3286. doi:10.1007/s00520-019-05129-w

Bittermittel

Beschreibung der Anwendung

Bitterstoffe (insbesondere aus verschiedenen pflanzlichen Zubereitungen) werden seit langer Zeit in der Medizin eingesetzt. In dieser Praxisempfehlung soll das verbreitete Bitterstoffmisch-Präparat Amara® beschrieben werden.

Amara Tropfen sind ein alkoholischer Auszug aus:

  • Absinthium, Herba florida 0,5% Wermuth

  • Achillea Millefolium, Herba florida 2% Schafgarbe

  • Peucedanum ostruthium, Rhizoma 0,5% Meisterwurz

  • Juniperus communis, Summitates 0,05% Wacholder

  • Salvia officinalis, Folium 1% Salbei

  • Cichorium intybus, Planta florida 0,25% Wegwarte

  • Centaurium erythraea, Planta florida 0,25% Tausendgüldenkraut

  • Gentiana lutea, Radix 1,5% Enzian

  • Taraxacum officinalis 2% Löwenzahn

Wenn ein Mensch etwas Bitteres schmeckt, ziehen sich die Gesichtsmuskeln zusammen und Speichelfluss setzt ein. Diese Stoffwechselaktivierung setzt sich nach dem Schlucken fort, auch der Magen beginnt zu sezernieren und sich zu bewegen. Inzwischen wurden zahlreiche Bitter-Geschmackrezeptoren im menschlichen Körper nachgewiesen, nicht nur im Magen-Darm-Trakt, sondern auch in Organen wie Leber, Lunge, Haut und Gehirn (1). Die Verbreitung auf der menschlichen Haut könnte zur Wirkung äußerer Anwendungen wie z.B. dem Schafgarben-Leberwickel beitragen. Der Geschmack vermittelt jedoch nur einen Teil der stoffwechselaktivierenden und kräftigenden Wirkungen von pflanzlichen Bittermitteln.

Jede einzelne Pflanze hat ihre spezifische Wirkung. In der Mischung können Bitterstoffe tonisieren, Magen/Darm-Motilität und Sekretion anregen und den Gallenfluss fördern (cholekinetische und choleretische Wirkung).  

Wann darf die Anwendung nicht durchgeführt werden?

  • Allergie auf einen der Bestandteile

  • Alkoholabusus in der Vergangenheit (bei alkoholischen Tropfen)

Kurzanleitung

Bitterstoffe wirken verdauungsfördernd. Die Appetitanregung gelingt insbesondere bei Einnahme 20 Minuten vor dem Essen. Auch die Wachheit insgesamt wird aufgrund des starken bittereren Geschmacks angeregt.

Anwendungsgebiete laut Beipackzettel: Gemäß der anthroposophischen Menschen und Naturerkenntnis: Funktionelle Störungen von Bildung und Absonderung der Verdauungssäfte; Störungen der Bewegungsabläufe von Magen und Dünndarm sowie deren Folgezustände, z. B. Sodbrennen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Völlegefühl nach dem Essen.

Präparate

Besondere Hinweise für Anwender*innen und Patient*innen

​Bitterstoffe werden unterschiedlich von den Patienten*innen angenommen. Bei ca. 1/3 zeigt sich eine sehr gute Wirkung, ein weiteres 1/3 profitiert etwas. Ca. jeder 3.-4. Pat. reagiert jedoch eher mit Ablehnung oder sogar mäßiger Zunahme von Übelkeit. Die Wirkung und Compliance sollte daher beobachtet werden. Das Wala-Bitterelixier stellt eine eher süßlich/scharfe alkoholfreie Alternative dar. Gentiana Magenglobuli können gelutscht werden und lösen sich dann mild-bitter im Mund auf, dies ist bei begleitender Übelkeit oft hilfreich. Bitterstoffe sollten geschmeckt und deshalb nicht stark verdünnt werden.

Es macht Sinn eine beschränkte Anzahl Bitterstoffe zu bevorraten (siehe Teeliste oben) und diese zur Implementierung häufig einzusetzen um Erfahrung und Routine zu gewinnen. 

Bitterstoffe müssen in der ambulanten Verordnung meistens von den Patienten selbst finanziert werden. Im Besonderen Tees sind jedoch erschwinglich.

Hinweise zur externen Evidenz und weiterführende Literatur

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